3096 Tage
Mein heutiger Hörbuchtipp handelt von der Entführung der damals 10 jährigen Natascha Kampusch, die auf dem Weg zur Schule in einen weißen Kleinlaster gezerrt und gekidnappt wurde. Nataschas Verschwinden ging damals 1998 durch alle Medien. Das Schicksal des entführten Mädchens blieb über acht Jahre lang ungewiss. Kaum einer hatte die Hoffnung Natascha Kampusch je lebend wieder zu sehen. Was niemand ahnte war, dass der Entführer, Wolfgang Priklopil, Natascha in einem kleinen Kellerverlies seines Hauses gefangen hielt.
Das Martyrium dem das Kind von diesem Zeitpunkt an ausgesetzt war ist so unvorstellbar, dass man es als ein Wunder bezeichnen kann, das sie das überlebte. In dem Hörbuch 3096 Tage, von Natascha Kampusch, gelesen von Elisabeth Schwarz, wird die Geschichte um die Entführung erzählt. Wobei die Bereitschaft über ihre Gefangenschaft zu berichten für Natascha Kampusch wahrscheinlich auch eine Hilfe oder Möglichkeit war, dieses schreckliche Erlebnis zu verarbeiten. Beim Hören des Hörbuches erstaunte mich sehr, wie die junge Frau das alles über die vielen Jahre ihrer Gefangenschaft überstehen konnte. Schier unglaublich ist auch, dass sie nicht an Unterernährung und seelischer Pein gestorben ist. Der Täter hat Natascha als Sklavin gehalten, sie gedemütigt und zu seinem Werkzeug gemacht.
Er hat sie über Jahre eingesperrt und ihr “Leben” kontrolliert. Lange Zeit bekam sie keinen anderen Menschen zu Gesicht als den Täter, ihren einzigen Ansprechpartner und Versorger. Wolfgang Priklopil hatte es geschafft mit der Zeit aus Natascha einen Menschen ohne eigene Identität zu machen. Als Natascha 18 Jahre alt war, gelang es ihr endlich sich aus den Krallen des Täters zu befreien. Den Mut zu haben im richtigen Moment zu fliehen und um Hilfe zu bitten war beeindruckend.
Natascha lief nach der Flucht auf die Straße und bat 3 entgegenkommende Personen um ein Handy um die Polizei zu verständigen. Doch die Hilfe wurde ihr verwehrt, angeblich hatten die Personen kein Handy dabei. Erst als sie in den Garten einer älteren Frau gelangt, wird die Polizei verständigt und Natascha Kampusch ist in Sicherheit. Nach ihrer Flucht nahm sich ihr Entführer Priklopil das Leben. Ihrer Kindheit und Jugend beraubt, muss sie nun ihr Leben meistern. Ein Kraftakt der mich tief beeindruckt und berührt. Schon alleine deshalb möchte ich Euch das Hörbuch 3096 Tage gern weiter empfehlen.


29. April 2011 um 09:24
Also ich würde mir weder das Buch noch das Hörbuch von N. Kampusch kaufen. Ich finde das alles wirklich schlimm, das sie Jahrelang in der Gewalt eines gestörten gewesen war, aber das sie sich so selbstbewusst, als sei nichts gewesen, den Medien hingibt, dass ist mir einfach zu wider.
29. April 2011 um 18:16
Danke Danny für die ehrliche Meinung.
Vielleicht würdest Du das etwas anders sehen, wenn Du tatsächlich das Buch lesen oder das Hörbuch hören würdest.
Darin wird viel von ihrem Verhalten “erklärt”
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
30. April 2011 um 19:38
Wenn ich mir vorstelle so lange eingesperrt zu sein – ein Alptraum. Manche Menschen haben schon ein ganz besonders schlimmes Schicksal. Einerseits wundert es mich auch etwas wie sie ihr Leben nun der Öffentlichkeit preisgibt, andererseits wird sie ihre Gründe dafür haben, ich kann es nicht beurteilen. Hab in der Bücherei schon mal geschaut, aber das haben sie noch nicht. Werde es mir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt auch mal anhören.
Übrigens habe ich mir Deinen Tipp Irre angehört und bin restlos begeistert. Auch Jane Eyre habe ich mir am Freitag mitgenommen, da bin ich schon gespannt
LG Soni
01. Mai 2011 um 00:22
Ich habs mir schon öfters mal überlegt ob ich es nicht mal lesen soll. Ich glaube irgendwann werde ich dies auch tun.
01. Mai 2011 um 18:38
Ich bin auch neugierig auf ihre Geschichte. Mich hat es anfangs sehr gewundert – und zugegebenermaßen irritiert -, dass sie so selbstbewusst aufgetreten ist. Man erwartet von Opfern ja immer ein gedemütigtes, eingeschüchtertes, leidendes Auftreten. Wenn da eine andere Reaktion kommt als von der allgemeinen Auffassung impliziert, reagiert man ja gern etwas verschnupft.
Mittlerweile finde ich ihr Auftreten allerdings wirklich bewundernswert und stark. Zudem kann wohl keiner von uns nachempfinden, was sie in ihren Jahren der Gefangenschaft erlebt und gefühlt hat und wie ihr Charakter durch diese Erfahrungen geprägt wurde… ich möchte mich daher nicht trauen, sie für ihr jetziges Verhalten zu verurteilen. Und irgendwie wäre es vielleicht auch gut, wenn mehr Opfer von Gewaltverbrechen, eine solche Stärke und ein solches Selbstbewusstsein an den Tag legen würden wie Natascha Kampusch.
02. Mai 2011 um 09:36
Liebe Soni,
Jane Eyre wird Dich auch begeistern. Da bin ich mir sicher.
ich würde sagen wenn es geht, leihe es Dir aus. Man sieht vieles in einem anderen Licht wenn man ihre Geschichte gelesen, gehört hat.
“Irre” ist mal etwas ganz anderes als die Hörbücher die ich sonst so höre. Ich habe beim Hören auch noch so manche Erkenntnisse dazugewonnen.
Liebe Kathrin,
ich glaube, dann sieht man Natascha in einem anderen Licht und versteht ihre Handlungsweise auch was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht. Vielleicht kannst Du es Dir ja ausleihen in der Bücherei.
Liebe Rennhenn,
das Selbstbewusstsein hat sie sich hart erkämpfen müssen. Jeder andere Mensch wäre wohl mit der Zeit wahnsinnig geworden, wenn ihn so ein Schicksal ereilt hätte. Sie hat intuitiv in ihrer Lage richtig gehandelt, sonst wäre sie mit Sicherheit an den Qualen und der Unterernährung gestorben. Jeden Tag den Tod vor Augen zu haben, kaum vorstellbar wie sie sich damit auseinandersetzen konnte ohne verrückt zu werden. Sie hat auch versucht sich mehrfach das Leben zu nehmen um aus dieser Hölle zu entkommen.
Ich denke, sie wird auch jede psychologische Hilfe bekommen haben nach ihrer Flucht. Anders kann man mit so einem Erlebnis auch nicht klar kommen.
Liebe Grüße