Gedanken an die Sahara Teil 4

Ich mache jetzt mal einen kleinen Sprung und begebe mich gedanklich mitten in die einsame Sandwüste. Es waren zwei Nächte in einem Beduinenzelt geplant wobei ich mich heute noch mit Ehrfurcht daran erinnern kann, dass ich nie etwas schöneres erlebt habe als in der Wüste zu nächtigen. Der Sternenhimmel in der Sahara ist wunderschön. Wenn man so am Lagerfeuer sitzt und seine von daheim mitgebrachte Verpflegung verzehrt, spürt man wie die Natur von einem Besitz ergreift und es macht sich großer Respekt breit.

Wie klein und unbedeutend man dann doch ist, angesichts der Natur. Wenn der Wind mehr oder minder stark durch den Sand weht… oder wenn es ganz ruhig ist und man keinerlei Lärm hört, ist dies sehr beeindruckend. Diese besondere Stimmung kann man einfach nie vergessen. In der Wüste lauern Gefahren, soviel muss einem schon klar sein, auch wenn man mit einer wirklich erfahrenen Truppe unterwegs ist. Habt ihr schon mal Serbische Bohnensuppe aus der Dose gegessen in die sich, durch das Lagerfeuer angezogene,  Nachtfalter verirrt haben? Und hattet Ihr schon mal einen solchen Hunger, dass es Euch egal war, ob Ihr die Falter gerade mit – esst oder nicht?  Ich hätte mir das auch nie träumen lassen und dennoch war es mir damals viel zu mühselig die possierlichen Tierchen aus meiner Suppe zu fischen. Also habe ich sie einfach mit-gegessen.  Naja, ich habe es überlebt, genau wie die anderen Fahrer. Tja, und dann die erste Nacht im Beduinenzelt.

Wir waren hundemüde und holten unsere Schlafsäcke hervor. Die waren schön warm und das war auch nötig, denn die Nächte in der Wüste können bitterkalt werden. Tagsüber eine Hitze, dass man meint man geht kaputt und nachts eine Kälte die einem durch alle Knochen fährt. Ich schlüpfte in meinen Schlafsack und stellte, ordentlich wie ich nun mal bin, meine Boots schön offen nebeneinander. Dann bekamen wir den guten Rat die Schuhe oben abzudichten und sie am Morgen auf jeden Fall erstmal freizuschütteln. Scorpione! Ich hatte nicht mehr an die Scorpione gedacht! Die kommen Nachts raus und gehen auf Nahrungssuche. Toll!! Da macht man doch kein Auge zu. Plötzlich hören wir einen Tumult am Lagerfeuer. Ein Fahrer hatte eine Schlange entdeckt die sich in unmittelbarer Nähe zu den Zelten befand.

Die Nacht war für mich vorbei, echt! Mit einem offenen und einem geschlossenen Auge verbrachte ich den Rest der Nacht. Die Schlange war eine Wüsten Hornviper und wurde von unserem Reiseleiter mit einem langen Stiel fortgeschafft.  Jetzt, wo ich so schön dabei bin in meinem Wüstenerinnerungen zu schwelgen, fallen mir noch mehr Dinge ein an die ich vorher nicht gedacht habe. Wir waren auf einem Markt Vorräte einkaufen. Es ist schon sehr exotisch auf solchen Märkten, dass kann man daran sehen, dass die Gewürze lose in großen Haufen auf dem Boden aufgehäufelt sind. Fladenbrote werden direkt von einem Karren genommen. Für europäische Verhältnisse kann es schon ein wenig befremdlich sein, wenn man sieht wie jeder Hinz und Kunz die Brote anfasst, sie wieder zurücklegt und dann doch ein anders kauft. Wie hält man auf einem Markt die Fliegen vom ausgelegten Fleisch fern? Indem man einen ausgehöhlten Eselskopf über das zu verkaufende Fleisch hängt! Dieser Anblick ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig.  Naja, ich wollte ja kein Fleisch kaufen sondern Apfelsinen und Fladenbrote. Ich ging zu einem Händler der eine Augenklappe trug. Der tat mir echt Leid dieser Mann, bis zu dem Augenblick als der frech und provokativ seine Augenklappe hochzog und ich mich eine leere Augenhöhle blicken ließ.

Da ich damals goldblonde Haare hatte standen auf einmal eine Menge Leute um mich herum und fassten mir ans Haar. Freundlich zog ich mich daraufhin zurück, da wurde ich auch schon von meinem Ex an die Hand genommen und von dort weg gezerrt. Auf der Weiterreise ging es tief ins Inland in eine Art Dorf. Ich saß mit einer kurzen Shorts und lockerem T-Shirt im Auto, während unser Auto getankt wurde. Plötzlich schauten wütende Männer durch die Autoscheibe, gestikulierten wild herum und beschimpften mich lauthals. Die Stimmung kochte hoch und ich begriff diese offensichtliche Feindseligkeit überhaupt nicht. Plötzlich flogen mehrere Steine ans Auto und mein Ex riss die Fahrertür auf, startete den Motor und fuhr sofort los.

Wie ich anfangs in Teil 1 schon mal erwähnte, ist dies ein islamisches Land. In einem Dorf außerhalb des Tourismus sollte man als Frau so klug sein Arme und Beine zu bedecken. Die hätten mich fast gesteinigt. Ich war so unglaublich naiv und habe überhaupt nicht daran gedacht, dass die Frauen sich dort zu bedecken haben. Schwamm drüber, auch das habe ich überlebt. Heute würde mir so etwas jedenfalls nie wieder passieren. Auf den folgenden Fotos seht Ihr eine Urkunde und ein Bild mit meinem Suzuki. Ich bin in der Wüste eine Art Ralley gefahren bei der ich den 3. Platz in der Damenwertung gemacht habe. Die Reise neigte sich damit dem Ende zu und wir dachten schon an die Rückreise. Die gestaltete sich als nicht unproblematisch, da wir unser Rückreiseticket verbummelt hatten. Das hieß, dass unsere Rückreise nach Genua auf der Kippe stand. Wir mussten tatsächlich zwei neue Tickets für die Fähre kaufen! Das hat finanziell ganz schön ins Essen gehauen. Die Tuarek habe ich  glücklicherweise nicht zu Gesicht bekommen. Die waren zu der Zeit auch nicht ganz so ungefährlich. Zumindest hat man uns dies so erzählt. Heute sind sie ja im Gegensatz zu früheren Zeiten sesshaft geworden. Der Suzuki erwies sich als äußerst robuster Geländewagen, ich habe ihn noch viele weitere Jahre gefahren, bis der Rost uns dann trennte.

8 Antworten zu “Gedanken an die Sahara Teil 4”


    Wow, was für ein Abenteuer, liebe Frau Wolkenlos. 8O Ich bin da ja eher ein Schisshase und wäre wahrscheinlich schon tausend Tode gestorben vor lauter Angst. :oops:
    War sehr interessant zu lesen.
    Ausgehöhlter Eselskopf… da hätte ich auch gar keinen Appetit mehr auf Fleisch. :wink: Dann würde ich lieber das angetatschte Brot essen. :D
    Skorpione in den Schuhen… 8O ich glaube, da wäre meine Spinnenphobie das kleinere Problem gewesen. :mrgreen:

    Liebe Grüße,
    Martina


    Hallo Frau Wolkenlos !
    Was haben Sie sich bei der Beschreibung der Tuareg gedacht ?

    (Die Tuarek habe ich glücklicherweise nicht zu Gesicht bekommen. Die waren zu der Zeit auch nicht ganz so ungefährlich. Zumindest hat man uns dies so erzählt. Heute sind sie ja im Gegensatz zu früheren Zeiten sesshaft geworden.)

    Die Tuareg haben keine ausländischen Touristen attackiert, so wie Sie es weiter oben beschrieben haben, schon gar nicht in Tunesien, da die Tuareg dort nicht leben !

    Können Sie das genauer erklären ?

    Amma Agada


    Liebe Frau Amma Agada,

    ich habe nicht behauptet, dass die Tuarek irgendwelche Touristen attackiert haben. Wie ich ja oben auch geschrieben habe wurde uns nur erzählt, dass sie nicht ganz ungefährlich wären. Ich konnte mir selbst kein Bild von den Tuarek machen weil ich ihnen nicht begegnet war.
    Was ich hier beschreibe ist eine Art Reisebericht, so wie ich ihn damals erlebt habe. Und als solchen sollte er auch verstanden werden. Ich weiß gar nicht, wie sie auf die Idee kommen, dass es in der Sahara keine Tuarek gab. Die Tuarek waren ein Volk, dass quer durch die Wüste zog. Sie führten ein Nomadenleben. Seit etwa 20 Jahren, genau weiß ich das nicht, sind sind sesshaft geworden, bewahren aber ihre Traditionen. Versiegende Brunnen und eine lang anhaltende Dürre haben sie dazu bewogen sesshaft zu werden.
    Heute sind sie in der Sahara kaum noch anzutreffen. Viele leben heute im südlichen Teil von Algerien.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frau Wolkenlos


    Sehr geehrte Frau Wolkenlos,

    folgende Klarstellung: 1. ich bin Herr Agada, Targi aus Tamanrasset in Südalgerien.

    Ich habe geschrieben, dass es in Tunesien keine Tuareg gibt.
    Wieso erwähnen Sie überhaupt die Tuareg im Zusammenhang mit einer Rallye in Tunesien ??

    Es gibt sehr wohl, auch heute noch Tuareg, und zwar in Südalgerien, Niger, Mali, Libyen und Burkina Faso.

    Herr Agada


    Sehr geehrter Herr Agada,
    ich möchte jetzt wirklich keine Diskussion darüber eröffnen ob es in Tunesien Tuareg gibt oder nicht. Wie ich oben schon schrieb, gab es sie damals sehr wohl in Tunesien. Sie zogen früher als Nomaden durch die Wüste. Uns sind sie nie begegnet aber es gab sie dort.

    Wieso erwähne ich die Tuareg im Zusammenhang mit einer Ralley in Tunesien? Das ist ganz einfach zu beantworten. Es war einfach Gesprächsthema, weil wir uns fern ab jeglicher Zivilisation mitten in der Wüste Sahara befanden. Da wirft irgendeiner in den Raum, dass die Tuareg nicht ganz ungefährlich sind.. und mehr ist da nicht dran.

    Ich schrieb: Die Tuareg leben heute im südlichen Teil von Algerien und sind heute kaum noch in der Sahara anzutreffen. Zumindest sind wir uns da einig, oder?

    Außerdem möchte ich betonen, dass ich nichts gegen die Tuareg habe. Im Gegenteil, ich würde mich sogar freuen wenn ich eine solche Reise nochmal machen könnte. Dann würde ich gezielt die Tuareg aufsuchen und mir einen persönlichen Eindruck ihrer heutigen Lebensweise verschaffen wollen.
    Frau Wolkenlos

    Ganz allgemein, für alle noch dies:
    Ich möchte darauf hinweisen, dass ich hier keine Verlinkung auf Reiseveranstalter oder irgendwelche kommerzielle Werbung in meinem Blog haben möchte.


    Sehr geehrte Frau Wolkenlos,

    derjenige, der Ihnen erzählt hat, dass es jemals Tuareg in Tunesien gab, hat Ihnen ein Märchen aufgetischt !

    Es gab und gibt heute noch vereinzelt Nomaden in Tunesien, dies ist richtig, aber man darf nicht Nomaden eins zu eins mit Tuareg übersetzen.

    Wenn nicht Südalgerien die Sahara ist, wo ist dann die Sahara !
    Wenn Sie mehr wissen möchten, es gibt genügend Bücher, die über die Sahara – Regionen und ihre Bewohner berichten.

    Herr Agada


    Sehr geehrter Herr Agada,
    wie wir alle wissen ist, dass die Sahara die größte Wüste der Welt ist. Ich weiß, dass sie sich über 11 nordafrikanische Länder ausdehnt. Sie ist die größte Trockenwüste der Erde.
    Und- es stimmt, dass nicht alle Nomadenstämme der Sahara auch automatisch Tuareg sind. Dies habe ich auch gar nicht behauptet.

    Die Sache mit dem Märchen welches man uns aufgetischt haben soll, lasse ich jetzt einfach unkommentiert so stehen. Ich glaube, dass würde zu nichts führen.

    Ich bin gut darüber informiert in wie weit sich die Sahara erstreckt, welche Tierarten es dort gibt und ich habe einen kleinen Teil der einheimischen Bevölkerung selbst erlebt. Da gab es nicht nur die Haarsträubenden Situationen aus meinem Reisebericht. Es gab auch sehr viele gute Kontakte zu den Menschen dort. Leider hatte ich damals in der viel zu kurzen Zeit nicht die Gelegenheit die gesamte Sahara zu durchfahren und zu erleben. An einiges kann ich mich zu meiner eigenen Schande auch gar nicht mehr erinnern. Dazu gehören die verschiedenen Oasen die wir besucht haben und auch ein paar kleinere Orte an denen wir Halt gemacht haben. Die Reise war 1985 und ich müsste mich hinsetzen, Karten ansehen usw.. um die einzelnen Stationen evell. rekonstruieren zu können.

    Ich habe grundsätzlich nichts dagegen noch mehr über die Wüsten der Erde und speziell der Sahara zu erfahren. Ich lese grundsätzlich sehr viel und ich denke, dass man immer dazu lernen kann und sollte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frau Wolkenlos


    Hallo,
    selbst des öfteren in der Sahara unterwegs, kann ich nur sagen, Ihr Bericht ist etwas zu sehr aufgebauscht und zeigt doch viel Unkenntnis.
    Wie kann man mit Shorts und lockerem T-Shirt im Auto sitzen. ist mir unverständlich. oder geht es nur um Profilierung, was man schon alles bereist hat?
    Amna

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