Hand auf’s Herz

Es ist manchmal schon komisch was einem so im Kopf herum geht. Ich hatte mich vor ein paar Tagen mit einer Freundin bei einer Tasse Kaffee getroffen. Da sitzen wir so rum und erzählen uns was wir die letzten Tage gemacht haben. Jedenfalls kamen wir auf das Thema, was in unserem Leben schief gelaufen ist. Was wir nicht getan haben, welche Fehlentscheidungen wir getroffen haben usw.
Wir diskutierten und philosophierten darüber, was passiert wäre wenn wir die eine oder andere Entscheidung anders getroffen hätten. Wie würde unser Leben jetzt aussehen? Eine interessante Frage. Ich stellte für mich fest, dass ich mich oft davor gedrückt habe Entscheidungen, die mein Leben betrafen, hinauszuzögern. Ich habe oft gezweifelt und mich von der Meinung anderer beeinflussen lassen. Somit habe ich die Verantwortung, wenn etwas falsch gelaufen ist, immer irgend jemand anderem zuschieben können. Diese Einsicht tut weh, aber so war das. Was ich wirklich bereue sind zwei Dinge. Eine Fehlentscheidung was meinen Beruf angeht. Ich hätte in der Schule mehr lernen müssen, denn mein Leidenschaft und mein tiefstes Interesse gehört der Archäologie. Ich hätte studieren sollen. Ich weiß nicht, ob ich das Zeug dazu gehabt hätte, aber ich hätte es wirklich versuchen sollen. Die zweite Sache klingt zwar blöd, aber ich habe eine Chance vertan. Andere hätten sie wahrscheinlich sofort ergriffen.
Als ich etwa 18 Jahre alt war, hatte ich ein Angebot aus Düsseldorf. Ich sollte mich dort melden, weil mich jemand von einer Model Agentur am Düsseldorfer Flughafen gesehen hat. Ich hatte eine Vistitenkarte am Auto, mit der Bitte mich in der Agentur zu melden. Das habe ich nicht getan! Ich konnte nämlich gar nicht glauben, dass ich wirklich für so etwas geeignet sein sollte. Ich fühlte mich als hässliches Entlein, war lang und groß und ziemlich dürr. Kurz und gut, ich habe die Chance nicht ergriffen und heute könnte ich mich selber dafür beißen, dass ich da nicht wenigstens mal hin gefahren bin. Bei einigen Männern habe ich auch ins Klo gegriffen, aber ich denke, dass passiert jeden mal. Letztlich stellte ich in dem Gespräch mit meiner Freundin fest, dass ich so wie es jetzt ist wirklich glücklich bin. Auch wenn mein beruflicher Werdegang wirklich nicht dem entspricht was mir Spaß macht. Wie sieht das eigentlich bei Euch aus? Wenn Ihr könntet, was würdet Ihr jetzt anders machen wollen? Welche Entscheidung war eine Fehlentscheidung die sich auf Euer heutiges Leben auswirkt?


23. Oktober 2009 um 05:45
Es gibt in meinem Leben genau zwei Dinge die ich bereue nicht getan zu haben.
Das eine ist zu privat und auch ein schmerzender Punkt in meinem Leben, wird also nicht verraten.
Zum anderen ärgert mich das ich in jungen Jahren nicht so aus mir heraus gekommen bin, und ich so ein sehr “zurückhaltender” Mensch bin, insbesondere wenn es darum geht Kontakte bis hin zur Beziehung zu knüpfen. Wer weiß, vielleicht wäre ich heute verheiratet und Papa?
23. Oktober 2009 um 06:24
[...] nicht aureicht. Also werde ich einen kleinen eigenen Ausschnitt machen und bedanke mich bei Frau Wolkenlos für diese Hand auf Herz aktion! Nun hat sich Frau Wolkenlos Mit ihrer Freundin bei einem Kaffee [...]
23. Oktober 2009 um 08:02
Ja, auch ich kenne die “was wäre wenn” Thematik sehr gut und habe es mich früher oft gefragt.
Ich habe einige “falsche?” Entscheidungen in meinem Leben getroffen. Manche freiwillig – andere eigentlich beeinflusst durch die äusseren Umstände fast gezwungenermaße.
Es kann eine sehr gefährliche frage sein habe ich festgestellt, vor allem wenn man anfängt sich diese fehlentscheidungen zur Last zu legen. Okay dafür muss auch schon heftiges passiert sein
Ich frage mich das nicht mehr. Oder ich bemühe mich zumindest diese Frage sein zu lassen. Denn mirt hat sie kein glück gebracht, nur schmerzhafte erkentnisse und was schlimmer ist- viel leid.
Wo ich stände wenn ich diese entscheidungen anders getroffen hätte weiss ich nicht. Mein Leben wäre wohl definitiv ein anderes geworden – aber am ende glaube ich ich habe die entscheidungen mit bestem Wissen und Gewissen getroffen
soweit die umstände es zuliessen.
23. Oktober 2009 um 08:11
Wenn ich was ändern könnte, wäre das zuerst meine schulichen Leistungen damals. Ich habe mich eher in der unteren Mitte befunden, nun bereue ich dies.
Dann gibt es einige Sachen auf die ich nicht stolz bin. Mir ist und war schon immer Treue und Ehrlichkeit wichtig, doch mich selbst dran gehalten habe ich mich nie. Wie dumm. Bescheißen, aber nicht beschissen werden wollen. So war ich. Dumm.
23. Oktober 2009 um 08:32
Liebe Frau Wolkenlos,
ich wäre gerne selbstbewusster gewesen, aber das ist ja nichts, was man einfach so tun kann, man ist es oder man ist es nicht.
Im ersten Moment gibt es schon einiges, dass ich aus heutiger Sicht anders machen würde, aber das ist ja leicht gesagt, weil ich jetzt weiß, wie es gelaufen ist. Im Nachhinein ist man immer klüger.
Ich konnte ja nicht wissen, dass daraus nichts wird. Einen Plan B hatte ich nicht. Und außerdem wollte ich so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen, unabhängig von meinen Eltern sein. Heute würde ich mehr Wert auf die berufliche Karriere legen, weil das etwas ist, dass man in jungen Jahren eher beeinflussen kann.
Ich bereue, dass ich kein Abi gemacht habe, obwohl ich gekonnt hätte. Aus meiner damaliger Sicht war es für mich nicht notwendig, weil mein größter Wunsch und mein einziges Ziel eine Familie mit Kindern war. Warum also Zeit verschwenden. Tja, so habe ich leider gedacht.
Schade finde ich, dass ich nie auf die Idee gekommen bin Fotografin zu werden, obwohl ich immer schon so gerne durch die Gegend geknipst habe. Aber diese Idee hatte ich damals einfach nicht, warum auch immer.
Andererseits muss ich sagen, dass bei mir beruflich damals alles reibungslos geklappt hat, ich hatte gleich einen Ausbildungsplatz, später auch einen guten Job in dem ich mich entfalten konnte und der mir auch lag, habe mich gut hocharbeiten können, nicht übel verdient, es hat mir auch Spaß gemacht. Eigentlich ist es sehr gut gelaufen. Wesentlich besser und zufriedenstellender als bei meiner Nichte z.B., die studiert hat und mit fast dreißig immer noch nicht zu ihrem Beruf gefunden hat. Vielleicht war es für mich einfach gut so wie es war, obwohl ich jetzt in dem Beruf nicht mehr arbeiten möchte. Aber missen möchte ich die Zeit doch nicht. Sie hat mir viel von meinem jetzigen Selbstbewusstsein (das aber manchmal immer noch besser sein könnte
) gegeben.
Ein paar private Dinge würde ich sicher auch anders machen, im Umgang mit anderen Menschen, aber dafür hätte ich eben manchmal auch ein offenerer, selbstbewussterer Typ sein müssen. Und das war ich damals eben nicht.
Vielleicht ist alles gut so wie es gekommen ist. Die Vergangenheit lässt sich sowieso nicht ändern, aber das, was ich JETZT tue, das kann ich beeinflussen und darauf kommt es doch an. Und alles was vorher war, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Ob alles besser wäre, wenn man getan hätte, was man nicht getan hat… wer weiß das schon.
Verpasste Chancen, die, die man nicht wahrgenommen hat, die nagen manchmal an einem, aber tatsächlich weiß man gar nicht, ob es wirklich eine so tolle Chance gewesen wäre. Vielleicht wäre es der totale Reinfall geworden, vielleicht hätte es uns unglücklich gemacht.
Liebe Grüße,
Martina
23. Oktober 2009 um 10:49
@Martina, mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. “was ich JETZT tue, das kann ich beeinflussen und darauf kommt es doch an.”
Man sollte nicht versuchen den damaligen Chancen hinterher zu trauern. Das bringt nix, kostet viel Zeit und Nerven. Man sollte versuchen jetzt, genau jetzt alles richtig zu machen, einfach jetzt leben und nicht in der Vergangenheit!
23. Oktober 2009 um 13:28
Sicher, aber ich habe diese Möglichkeit nicht und ein wäre wenn, hilft mir da nicht.
23. Oktober 2009 um 18:10
Men Leben ist voll von Fehlentscheidungen, aber leider meist bedingt durch meine Krankheit.
Ich hätte nicht so viele Freunde haben sollen, wie ich sie hatte und das waren eine Menge für mein kurzes Leben. Ist schon fast peinlich, ganz ehrlich.
Mit meinem Beruf den ich als erstes gelernt habe bin ich im nachhinein auch nicht glücklich.
Doch hätte ich dadurch, dass mir mein eigentliches Leben bereits mit 5 Jahren genommen wurde, nicht ändern können.
Wenn ich allerdings meine jetzige Zeit ansehe und lass es mal vielleicht 1 Jahr sein, kann ich sagen das alles ok ist.
Es musste echt eine menge Mist passieren in meinem kleinem Leben, damit ich nun sehen kann das es passieren musste!
So bin ich die geworden die ich bin und ich will es mir nicht vorstellen, wie es anders gelaufen wäre.
Vielleicht hätte ich mir einiges an Ausbildungsjahren gespart, aber wäre ich damals auch bereit gewesen meine jetzige Ausbildung zu meistern? Ich bin auch davon überzeugt, dass mir meine Krankheit erst die Chance gegeben hat das ich in einen Beruf rein komme, welcher einer der Beliebtesten darstellt.
23. Oktober 2009 um 19:22
Ich danke Euch für Eure interessanten Kommentare.
@AndiBerlin,
was nicht ist, kann ja noch werden. Zum Papa kann man auch mit 80 noch gemacht werden. Zurückhaltung muss nichts negatives sein. Für Frauen ist das oft sehr interessant weil sie wissen wollen was hinter dem ruhigen Typen steckt.
@Lyhaire,
ich sehe das heute so: Es gibt keine wirklich falschen Entscheidungen. Man hat sich für einen Weg entschieden, wobei es sich oft erst sehr spät herausstellt, dass man besser den anderen Weg gewählt hätte. Ob dieser Weg aber auch wirklich besser gewesen wäre, weiß man aber auch nicht. Ich sehe das auch genauso wie Du. Ich trauere nicht um verpasste Chancen, sondern ich finde es sehr interessant darüber zu reflektieren.
@Großmaul,
du bringst es auf den Punkt. Genau das ist es, was mich wirklich sehr an mir ärgert. Wäre ich nicht so unkonzentriert in der Schule gewesen hätten meine beruflichen Aussichten damals sicher ganz anders ausgesehen. Bei der heutigen miesen Wirtschaftslage muss man aber leider auch sagen, dass selbst Akademiker in diesem Land kaum mehr Arbeit mehr finden können.
@Mamü,
um Selbstbewusstsein zu haben muss man sich “selbst bewusst” sein. Wenn man noch sehr jung ist, wird das Selbstbewusstsein durch die Eltern dem Kind vor gelebt. Ich war auch nicht selbstsicher als Kind. Kein Wunder, ich bekam ja auch immer vorgehalten was meinen Eltern an mir nicht passt, anstatt öfter mal ein Lob auszusprechen. Meine Selbstsicherheit kam erst viel später als ich mir gar nichts mehr gefallen ließ und grundsätzlich das Gegenteil von dem Tat was mir meine Eltern sagten. Aber das ist ein anderes auch schmerzliches Thema. Wenn ich alles zusammen nehme, möchte ich wirklich sagen, dass ich mich durchgeboxt habe. Trotz möglicher “Fehlentscheidungen” bin ich ein Mensch geworden der bei all dem Mist von damals trotzdem noch hoch erhobenen Hauptes durchs Leben geht. Durch unsere Entscheidungen wird man doch auch der Mensch der man heute ist mit allen Fehlern und Schwächen.
@Großmaul,
dem ist nichts hinzuzufügen, du hast es mit deinem Kommentar voll auf den Punkt gebracht. Genauso sehe ich das auch, ändern kann/will man sowieso nix mehr. Wichtig ist, dass man daraus gelernt hat.
@Su-Mu,
aber Du kannst das Beste daraus machen, was Du ja auch machst. Das ist doch auch schon etwas, oder nicht?
@Antscha,
OK, klingt abgehoben, aber das fiel mir gerade so dazu ein. 
überleg’ mal was Du in der letzten Zeit für einen Riesen Sprung hingelegt hast! Du hast doch wirklich jetzt Dein Leben gut im Griff und kannst es endlich mal genießen. Du wirkst auf mich wie ein Schmetterling, der seine Flügel ausbreiten kann und in die Welt hinaus fliegt.
LG und allen ein tolles Wochenende
23. Oktober 2009 um 19:25
Ja auch bei mir gibt es so manche Dinge die ich lieber hätte anders machen sollen oder wo ich mich anders hätte entscheiden sollen.
Auch mir gehen manchmal diese Gedanken durch den Kopf.
Ist schon komisch – manchmal bin ich dann auch sehr traurig wenn ich weiß, es hätte besser kommen können!
Leider kann man diese Augenblicke nicht mehr verändern – passiert ist passiert!
Schade
Und wie du hätte ich mich auch mehr auf den Hosenboden setzen sollen um besser zu sein in der Schule – den Archäologie war auch mein großer Traum – Ägypten und die Geheimnisse, Gräber, Tempel….all das hätte ich erleben und entdecken können!
Das ist auch bei mir eine Sache wo ich mich ärgere – jedes Mal wenn ich was über Ägypten in den Händen halte, versinke ich regelrecht darin – es fässelt mich!
Ich finde es interessant und spannend!
Tcha auch ich habe meine Chance vertan und das ärgert mich schon etwas!
Aber im Großen und Ganzen bin ich doch recht glücklich
MLG
23. Oktober 2009 um 20:06
@Chrille,
Was den Traum der Archäologie angeht, gebe ich Dir wirklich recht. Das wird wohl ein unerfüllbarer Traum bleiben.
Auch darüber brauchst Du nicht traurig zu sein. Um überhaupt nach abgeschlossenem Studium an einen Ausgrabungsort zu kommen musst Du erst einen Förderer / Unterstützer haben der sich für Dich einsetzt. Mit viel Glück darfst Du am Ausgrabungsort (der nicht unbedingt in Ägypten sein muss) die Markierungsbändchen anbringen oder mal am Rand kratzen.
nicht so gut, wenn Du deswegen traurig wirst nur weil Du eine Entscheidung getroffen hast, die Du jetzt ein wenig bereust. Du weiß ja nicht ob es wirklich besser gekommen wäre, wenn Du den anderen Weg eingeschlagen hättest.
Jetzt kommt aber das ABER!
Die Funde, falls welche da sind, machen die Professoren. Ob Du einen Fund in die Hand bekommst hängt davon ab wie gut Du dem Prof in den A… kriechen kannst.. Abgesehen davon, wie lange Du für ein Studium brauchst, das sind in der Regel etwa 5 Jahre. Mit anschließender Doktorarbeit nochmal 3 Jahre.
Achso, Fremdsprachen wie Englisch, Französisch, Arabisch, Latein und Griechisch sollen ja auch noch gelernt werden. Abgesehen davon, dass ein Archäologe auch nicht gerade ein Vermögen verdient wenn er all die Mühen auf sich genommen hat.

Alle diese Dinge entglorifizieren diesen tollen Beruf. Zumindest für mich.
LG
24. Oktober 2009 um 09:39
Ach es ist so viel passiert, wo man sich danach denkt “toll. Ich wünschte, ich hätte den anderen Weg gewählt”. Doch weiß man nicht, wie es dann gelaufen wäre”.
Das Leben ist ein einziges Rätsel.
24. Oktober 2009 um 11:04
Naja da gibts mehreres.zB.Habe ich mehr falsche Freunde kennengelernt als mir lieb war.Ich hätte mein Studium als Farb-Stil-Beraterin viel eher gemacht statt mich mit putzen und regale auffüllen durchzuschlagen!Meinen jetzigen Traummann kenn ich schon länger,hätte ihn viel eher zum Date bewegen sollen dann wäre mir viel elend erspart geblieben….und und und ich glaube jeder hat soviel schlechtes erlebt in seinem leben.Aber nur Positives erleben lässt uns auch nichts lernen fürs nächste mal alles besser zu machen.
24. Oktober 2009 um 11:48
@Großmaul
Da kann ich dir nur zustimmen.
Im Prinzip hätte ich alles andere weglassen können.