Seelensuche 1.Teil

Als ich noch ein Kind war, hatte ich furchtbare Angst davor, dass meine Eltern sterben könnten. Es gab keinen Grund für diese Panik, denn meinen Eltern ging es gut, sie waren gesund und munter. Meine Mutter bemerkte meine Angst und fragte mich was los sei. Als ich es ihr erzählte, grinste sie und meinte ich müsse mir keine Sorgen machen. Bis es soweit wäre würde noch eine lange Zeit vergehen. Ich sollte aufhören darüber nachzudenken, es würde nichts bringen. Irgendwo hatte ich mal gehört, dass jeder Körper auch eine Seele hat und dass die wohl im Kopf irgendwo drin stecken würde. Nachdem ich meiner Barbiepuppe die Haare abgeschnitten und ihr den Kopf geöffnet hatte, konnte ich keine Seele darin finden.

Meine Enttäuschung darüber konnte ich nicht verbergen, ich ärgerte mich jetzt darüber, dass ich meine Barbie “für nix drin“ verstümmelt hatte. Ich würde keine neue Barbie bekommen, soviel war mir klar. Trotzdem blieb die Frage offen was die Seele eigentlich ist und wo sie sich denn nun wirklich aufhalten würde. Zum Glück bin ich nicht auf die Schnapsidee gekommen meinem Bruder oder meiner Schwester die Schädeldecke zu öffnen. Das Thema “Seele“ war für mich erstmal erledigt, ich hörte auf darüber Fragen zu stellen.
Als einige Zeit später meine Ur Oma verstarb, nahmen meine Eltern mich mit zur Beerdigung. Da ich nicht erfasste was da eigentlich vor sich ging, erfuhr ich dort von meiner Mutter, dass dort unten in der Kiste die Oma liegen würde. Aufgebracht rief ich laut in die Runde, man solle die Oma da heraus holen. Meine Eltern verließen daraufhin vorzeitig mit mir den Friedhof. Meine Anwesenheit bei der Bestattung war ganz offensichtlich ein Fehler, denn ab diesem Zeitpunkt malte ich wochenlang Bilder von Särgen, Gräbern und Engeln, die über Ur Omas Grab abhingen. Das kommt dabei herum, wenn man einem Kind vorher nicht richtig erklärt, was da eigentlich passiert und was eine Beerdigung überhaupt ausdrückt.
Fortsetzung folgt ..

6 Antworten zu “Seelensuche 1.Teil”


    Wollte mal direkt eien Gegenbesuch starten ^^

    Als Kind ist man immer fehl am Platz bei einer Beerdigung. Mich sah ma mit 2 auch seltsam an, als ich in der Leichenhalle laut sagte warum mein Opa da schläft.


    Ich freu’ mich sehr über Deinen Besuch, herzlich Willkommen MorAntscha. :-)
    Ich finde auch, dass meine Eltern mir das zu früh zugemutet haben.
    Bei uns daheim wurde über das Sterben “damals” sowieso nicht geredet. Es ist und bleibt ein Tabu, dabei gehört es doch zum Leben.
    Die Frage ist nur wie man damit umgeht. Hmm.. Ich werde dazu später noch einen Artikel schreiben wie ich (mit dem Thema an sich) besser umgehen konnte, soweit das überhaupt möglich ist.


    [...] Wolkenlos kramt in ihren Kindheitserinnerungen und erzählt auf äußerst amüsante Weise (Klickbefehl!) wie sie als kleines Mädchen dem  Begriff der Seele mittels operativer Techniken erforschen [...]


    Seltsam… jetzt isser da, der Trackback…

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