Tarelia Kapitel 07

“Hey, Krähe!” Tromberon fuhr erschrocken zusammen. Er schaute sich um, konnte aber nicht sofort erkennen woher die Stimme kam. “Glotz nicht so dumm aus der Wäsche und schau’ nach oben!” Auf einem Baum in der Nähe von Tromberons Nachtlager saß ein affenartiges Wesen, welches ihn herablassend und provozierend ansah. In der Klaue hielt die Kreatur einen kleinen Spiegel und in der anderen eine Bürste mit der er sich das Fell striegelte.
Das Ungetüm sah sich im Spiegel an, war mit sich zufrieden und steckte beide Utensilien in ein Ledertäschchen, welches er sich vor den Bauch gebunden hatte. Mit einem gezierten Satz sprang das haarige Wesen vom Baum herunter und baute sich dreist vor Tromberon auf. “Was willst Du”, fragte Tromberon knapp. “Du bist eine groteske und geschwätzige Kreatur, Krähe!” “Du redest im Schlaf, ich würde keinen Pfifferling darauf wetten, dass du an den Wachen vor Kobus Höhle schadlos vorbeikommst!” “Wie?” Tromberon starrte den Affen mit zusammengekniffenen Augen an und blaffte: “Was willst Du eigentlich von mir, du blasiertes Ungetüm?” “Tauchst hier auf, mit deiner lächerlichen Bürste und einem Spiegel und nennst mich grotesk und geschwätzig!” “Ich bin zwar kleiner als du, aber ich kann dir im Flug auf den Kopf scheißen wenn ich will!” Ein kurzer verdatterter Blick und das behaarte Geschöpf brach in schallendes Gelächter aus. Schlagfertig war das Federvieh ja, dass musste man ihm lassen, dachte der Affe. Auch Tromberon konnte sich nicht verkneifen breit zu grinsen. “Wie heißt Du eigentlich, fragte Tromberon?” “Man nennt mich Kriech Pyrel, den “gerissenen” Kriech Pyrel!” “Was für ein lächerlicher Name!” Tromberon schüttete sich aus vor lachen und plusterte sich dabei auf. “Sag’ mir erstmal deinen Namen, vielleicht bekomme ich ja auch was zu lachen, tönte der Affe pikiert zurück.” “Ich heiße Tromberon, antwortete die Krähe.” Oder auch der coole Tromberon.” “Passt zu dir, du komischer Piepmatz.”
“Was ist denn mit Deiner Kralle passiert, sieht echt blöd aus, weil da eine fehlt!” Tromberon erzählte Kriech Pyrel was einen Tag zuvor geschehen war. Mitleidig sah dieser die Krähe an. “Was hast du jetzt vor, Federvieh?” “Du spazierst also einfach zu Kobus Höhle, sagst freundlich guten Tag, ich heiße Tromberon und will zum Chef, oder wie hast du dir das vorgestellt?” ” Keine Ahnung wie ich das anstellen soll, zuerst müsste ich wissen wo sich Kobus Höhle überhaupt befindet.” “Das kann ich dir sagen, antwortete Kriech Pyrel.” “Waas?” “Du weißt wo sich die Höhle befindet?” “Ja!” Kriech Pyrel schaute gelangweilt auf seine Nägel. Dann stutze er, öffnete sein Bauchtäschchen, holte eine Feile heraus und schmirgelte sich elegant einen seiner Fingernägel gerade. Tromberon verdrehte die Augen und fragte sich insgeheim was der komische Typ noch so in seinem femininen Beutelchen versteckt hatte. “Hast du auch Flohpulver dabei, fragte Tromberon sarkastisch.” “Wieso, brauchst Du eins?” “Nein, Mann!” “Sag mir lieber wie ich zu Kobus Höhle gelangen kann.” “Ohne einen Führer wirst du die Höhle nicht finden”, meinte Kriech. Lässig ließ er die Feile wieder in seinem Bauchbeutel gleiten. “OK, kannst du mich dorthin führen?” “Kommt drauf an”, war die Antwort. “Auf was kommt es an?” “Na, auf die Bezahlung, was sonst!”
“Was willst du damit sagen, du willst deine Behauptung beweisen,” fragte Keetu. “Dann pass’ mal auf”, war Udewins knappe Antwort. “Du wolltest es ja nicht anders.” Udewin beorderte Mava und ihren Vater ans andere Ende des Saales und begann mit einer Beschwörungsformel die er so leise sprach, dass Keetu und Mava sie nicht hören konnten. Dann nahm Udewin seinen hölzernen magischen Stab, drehte ihn um und zeichnete eine komplizierte geometrische Figur auf den Boden. Ein leises unheimliches Grollen und Jammern, welches immer lauter wurde, erfüllte den Raum. Die auf den Boden gezeichnete Figur begann zu pulsieren und glühte in einem immer greller werdenden roten Licht. Keetu und Mava schlossen die Lider, dass intensive Licht tat ihnen in den Augen weh. “Seht hin!” bedeutete Udewin. In der Mitte des Lichtes offenbarte sich ihnen eine entstellte dunkle Gestalt, die sich in ihren Schmerzen wand. Immer wieder versuchte das widerliche Wesen aus dem magischen Gebilde zu entkommen, doch es gelang ihm nicht. Udewin hob seinen Stab an und richtete den Knauf auf das Wesen, welches sich zu einer grotesken schwarzen Masse umformte. Nur der mächtige ausladende Kopf schaute noch hervor.
Die Kreatur schien jetzt keine Schmerzen mehr zu empfinden, die gelben Augen richteten sich unterwürfig, dennoch bedrohlich wirkend, auf Udewin. “Deine Frrragen, Magierrr”, sagte es in einer schleimigen Stimmlage. Der Lehrmeister, der einen offensichtlich sehr angestrengten und geschwächten Eindruck machte, trat einen Schritt vor. Den Stabknauf hatte er noch immer auf das Wesen gerichtet. Dann stellte er dem Wesen seine Fragen. “Wessen Diener bist du?” “Ich diene dem Herrrrscher der Dunkelheit.” “Nenne mir den Namen des Herrschers der Dunkelheit”, befahl Udewin. “Derrr schwarze Kobus ist mein Herrrr!” “Er wirrrd mit seinen Arrrmeen in Tarrrelia einfallen und alles verrrnichten, dass hell und Licht ist, er wirrrd euch alle besiegen”, sagte das Wesen bösartig feixend. “Tarrrelia wirrrd der Dunkelheit und Verrrwesung anheim fallen, Kobus wirrrd über alle dunklen Mächte herrrschen.” “Mit welchen Mitteln will er Tarelia vernichten, was ist sein Plan?” fragte Udewin übel gelaunt. “Das werrrde ich nicht sagen”, war die energische Antwort der Gestalt. Daraufhin hielt Udewin den Stab etwas höher und ein heller Lichtstrahl schoss auf den Kopf des Wesens herab. Augenblicklich begann es sich wieder in seinen Schmerzen zu winden und gequält zu wimmern. Wieder einmal fuhr ein heftiges Zittern in Udewins Glieder. Dies war nicht das erste Mal gewesen, nun konnte er nicht mehr verbergen wie alt und schwächlich seine Knochen geworden waren und wie viel Kraft es ihn in der letzten Zeit kostete, große Bannsprüche anzuwenden. Das Aufrechterhalten der kräftezehrenden Magie hatte Udewins Lebenskraft, gerade in diesem Augenblick, besonders stark geschwächt. Trotzdem, er musste jetzt unbedingt durchhalten um dem Wesen wenigstens noch diese eine Antwort entlocken zu können. Im gleichen Moment erkannte er, dass er dazu nicht mehr in der Lage war. Udewins Kräfte waren verbraucht. Bevor er das Bewusstsein verlor und hart auf dem Boden aufschlug, gelang es ihm dennoch die Beschwörungsformel, und damit den Bann aufzuheben, welcher das Wesen herbei gezwungen hatte. Udewins “Rückwärts – Spruch” transportierte das widerliche Wesen zurück in die Finsternis.

