Tarelia Kapitel 01

Langsam brach die Nacht herein. Mava, Tochter von Keetu und Neela stand versonnen am Fenster und schaute in die Dämmerung hinaus. “Wie wunderschön doch diese Berge sind!” Schon als kleines Mädchen fühlte sie sich von diesen gewaltigen, mächtigen Giganten der Natur magisch angezogen. “Bald werde ich fortziehen und die verschlungenen Pfade erforschen und mich auf die Suche machen.!” Mava entschlossenes Gesicht ließ keinen Zweifel daran.

Ihre Eltern waren von dieser Idee überhaupt nicht begeistert. Sie waren der Auffassung, dass ihrer Tochter das notwendige Wissen fehlen würde. Sie war eben noch nicht vollständig eingeweiht und hatte außerdem noch sehr viel zu lernen.”Das werde ich nicht zulassen!” “Außerdem ist es einer Hohepriesterin vor Vollendung ihres 18. Lebensjahres strengstens untersagt die geheimen Pfade der Berge zu betreten!”Keetu schlug wütend mit der Faust auf den Tisch, der neben seinem hellblau glänzenden Ohrensessel stand. “So beruhige dich doch!”Neela streichelte zärtlich die Hand ihres Mannes. Dieser sah seine Frau jetzt müde und resigniert an. Die ständigen Diskussionen mit seiner aufsässigen Tochter hatten ihn ziemlich aufgerieben.

Keetus Tisch hatte den Wutausbruch ausgehalten, obwohl das Möbelstück sehr filigran und zierlich gearbeitet war.
Mavas Vater dachte an die Aufgabe die seine Tochter zukünftig erwarten würde, sobald sie alt genug dafür wäre. Schon vor ihrer Geburt stand fest, dass sie einmal über Tarelia herrschen würde, es war es ihr so bestimmt.
Als Mava sich herumdrehte sah sie, dass ihre Mutter sie anlächelte. Grimmig verzog Mava das Gesicht und kam langsam auf ihren Vater zu, der noch immer ziemlich genervt aussah. “Bitte Papa verstehe mich doch!” Ich bin bereit, alles zu lernen was nötig ist, um meiner Aufgabe gerecht zu werden!“ Keetu hob seinen Kopf und blickte seine Tochter nun nachdenklich, aber liebevoll an.
“Bitte verstehe mich und deine Mutter, du bist noch nicht in alle Dinge eingeweiht. “Du wirst auch noch einige Jahre bis zu deiner Weihe brauchen, um alles zu verstehen!” ” Jetzt will ich kein einziges Wort mehr über die Berge hören!” “Geh jetzt schlafen”. “Morgen wirst du sehr früh Unterricht haben dafür musst du ausgeruht sein.”
Papa.. ich..

“Bitte gehe jetzt endlich ins Bett, keine Diskussionen mehr!” Schmollend gab Mava ihren Eltern einen flüchtigen Kuss um dann die Richtung ihres Zimmers anzusteuern. Das Zimmer lag in der obersten Etage unter dem Dach. Sie blieb noch einen Augenblick auf der Treppe stehen und sagte trotzig, mehr zu sich selber: ” Ich werde mich schon bald auf den Weg machen!”
Mavas Zimmer war sehr spartanisch eingerichtet, dies wäre nötig, hatte ihr Meister ihr erklärt, denn nur so könne man seine Energien frei fließen lassen. Trotz der wenigen Möbel war Mavas Zimmer sehr gemütlich, denn in ihrem Raum herrschten helle und freundliche Farben vor. Das schönste aber war das Dach, dass aus einer gläsernen Kuppel bestand. Mava konnte so immer in den Himmel sehen. In der Nacht leuchteten unendlich viele Sterne, tagsüber wärmte sie das Licht der 2 Sonnen.

“Wie wunderbar die Sterne leuchten, ich wünschte ich könnte dort hin Reisen”. Mava legte sich auf ihr Bett um ein wenig zu träumen und dachte an ihre morgige Unterweisung. Sie freute sich auf Udewin ihren Lehrmeister und war gespannt was er sie diesmal lehren würde. Zufrieden lächelnd schlief sie ein.
“Mava!” Die Stimme ihrer Mutter ließ sie aus dem Schlaf erwachen. “Du musst aufstehen!” “Udewin ist schon da, er wartet unten auf Dich”.
“Beeil’ Dich, lasse ihn nicht unnötig warten.” ” Schon gut Mama, bin gleich fertig”. Heute wird wieder ein aufregender Tag werden, dachte Mava. Sie schlüpfte in ihr bequemes, langes hellblaues Kleid, nachdem sie sich einer hastigen Katzenwäsche unterzogen hatte. Schnell zog sie die weißen flachen Lieblingsstiefel an, kämmte rasch ihre honigfarbenen Haare und steckte sie mit einer Klammer an Hinterkopf fest.

Udewin war Meister für spirituelle Entwicklung, außerdem Botschafter für universelle Kontakte, Kampfkunstmeister und Magier. Trotz seines hohen Alters hatte Udewin weise, klare Augen und einen jungen wachen Geist. Zahlreiche Falten an Augen, Mund und Stirn zeigten viel Lebenserfahrung. Seine ganze Gestalt war von einer leuchtenden hellen Aura umgeben. Jeder Tarelianer und jedes Tier kam freiwillig zu Udewin um in seiner Nähe Kraft und manchmal auch Heilung zu erfahren.

“Udewin”…. Mava stürmte auf ihren Meister zu, um ihn zu umarmen. “Nicht so stürmisch Mava”! “Du zerdrückst mich ja”. Udewin lächelte, während er sie mit seinen klugen gütigen Augen betrachtete.
“Es kann losgehen!” “Was kann ich heute lernen?” Udewin lachte über so viel Übermut und erwiderte: ” Hast Du auch Deine Entspannungsübungen gemacht?” Mavas Gesicht überzog sich mit einer leichten Röte worauf der Lehrmeister mit einem Kopfschütteln und einem, nicht ganz so ernst gemeinten, grimmigen Gesicht reagierte.

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