Tarelia Kapitel 02
Keetu, der mit dem Säubern seines grünlich schimmernden Amulettes beschäftigt war, unterbrach seine Tätigkeit und wandte sich an Udewin. Dieses Kind, ich sage Dir, manchmal frage ich mich was wirklich in ihrem Kopf herumgeht! Sie ist in letzter Zeit aufsässig, unkonzentriert und noch dazu verträumt. Dann auch noch dieses unablässige Gerede über die Berge.. Gestern Abend zum Beispiel…… “Ach Keetu, Mava wird schon noch vernünftig werden, sagte Neela”. Keetu schmunzelte, da er den energischen Gesichtsausdruck seiner Frau registriert hatte. Udewin war froh, dass Neela das Wort ergriffen hatte.
Er sah in Mava eine freundliche, gelehrige Schülerin. Er konnte auch nicht behaupten, dass Mava aufsässig sei. Udewin hatte noch nie mit ihr Probleme gehabt, ganz im Gegenteil. Ich werde Mava zu einer Botschafterin ausbilden lassen, die in allen Bereichen Tarelia vertreten wird, erwiderte Neela gelassen. Von ihr wird in der Zukunft sehr viel erwartet werden, und das weiß sie. Sie muss aber auch die Gelegenheit bekommen ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Du willst ja schließlich keine Marionette als Tochter haben! Trotzig schaute Mava aus den Augenwinkeln ihre Eltern an. Es wurmte sie, dass die beiden über sie redeten als wäre sie nicht im Raum. Udewin und Mava sahen gemeinsam aus dem großen Fenster nach draußen. Ein beeindruckender, uralter Baum stand um einiges entfernt vor einer Waldlichtung. Gewaltige hohe Berge zeichneten sich in weiter Ferne ab und schienen Mava mit leiser aber bedeutungsvoller Stimme zu rufen. Ein Lächeln huschte über Mavas Gesicht. Ehe sie sich ganz ihren Träumereien hingeben konnte, unterbrach Udewin ihre Gedanken. “Nun komm Kind, wir sollten anfangen.”
Die 2 Sonnen von Tarelia spendeten goldenes Licht, als Lehrer und Schülerin nach draußen traten. “Wohin gehen wir, Udewin”? “In die Natur, dort wirst Du weitere Übungen machen, die du Beherrschen solltest. ” Der alte Baum wird Dir heute eine wichtige Unterweisung geben.” “Es ist so schwer, ich kann meine Gedanken jetzt nicht ausschalten und es fällt mir auch nicht leicht, mich zu konzentrieren, seufzte Mava. “Du vertraust mir doch, oder?” Mava nickte. “Dann vertraue mir auch jetzt, ich werde dir helfen und dich führen, sagte Udewin. Mava sog den Duft der Bäume und der Blumen tief in ihre Nase ein und fühlte sich jetzt bereit dem alten Baum gegenüber zutreten.
Mava kniete sich wie immer vor den mächtigen Stamm des weisen alten Baumes. Udewin sang leise das Lied des Lichts, breitete dabei seine Arme aus und die Umgebung wurde langsam in grünlich – goldenen Glanz getaucht. Tief entspannt und mit geschlossenen Augen hörte Mava die vertraute Stimme des Baumes der sie freundlich begrüßte. Ich grüße dich ebenfalls Egoras, sagte Mava. “Ich erwarte deine Weisheit und freue mich auf eine weitere Unterweisung, allwissender Egoras von Tarelia”.
Wie immer hatte Udewin den Lichtwall des Schutzes um den Baum und seine Schülerin gelegt, es war wichtig, dass keinerlei Störungen während der Unterweisung erfolgen. “Heute sollst du die Sprache der Krähen erlernen, sagte Egoras”. Mache dich bereit. Vor Mavas innerem Auge flog jetzt eine Krähe heran. Sie krächzte laut und setzte sich auf einen der Äste des Baumes. Mava konzentrierte sich auf die Krähe, diese musterte Mava nun mit ihren schwarzen Augen. Mava stellte dem Vogel im Geiste die Frage wie ihr Name sei. Die Krähe krächzte dreimal, doch Mava konnte das Tier nicht verstehen. Höre genau hin, flüsterte Egoras, die Krähe hat deine Frage verstanden und sie hat geantwortet. Mava konzentrierte sich und bat die Krähe noch einmal ihren Namen zu wiederholen.
Ein dreimaliges lautes Krähen drang in Mavas Ohr, sie glaubte den Namen Omberon verstanden zu haben. Die Krähe krächzte erneut. Jetzt war sich Mava sicher, dass der Name der Krähe Tromberon sei und sprach diesen Namen laut aus. Die Krähe blieb ruhig, duckte sich nach vorne, breitete ihre Flügel aus und flog lautlos davon. Sehr gut, Mava. Du siehst also, dass sich deine Übungen zur Entspannung schon bezahlt machen. Sie helfen dir die Sprache der Tiere zu verstehen. Übe weiterhin fleißig und regelmäßig, dann wirst du deinem Ziel jedesmal ein Stückchen näher kommen, bedeutete Egoras.

